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    Markus Haase
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    Eine in der Schwere und Dauer nicht absehbare Rezession wird wohl die Folge der weltweiten COVID-19-Pandemie sein. Der Kernbereich der deutschen Industrie, die Automobilindustrie und der Maschinenbau sind ebenso bteroffen wie der Einzelhandel, Elektrotechnik, verarbeitendes Gewerbe und Reise- und Veranstalter. Für die Unternehmen bedeutet dies, wenn noch nicht längst geschehen, ein konsequentes Risikomanagement aufzusetzen. Dieses Risikomanagement beinhaltet nicht nur das Management für Störungen in der Lieferkette, sondern auch die Bereiche Finanzierung und Restrukturierung sollten schnellstmöglich mit einbezogen werden.

    Hilfspaket

    Die Bundesregierung plant ein Maßnahmenpaket, welches vier Bausteine beinhaltet. Diese sind der erleichterte Zugang zu Kurzarbeitergeld, steuerliche Liquiditätshilfen, Maßnahmen zur Liquiditätsausstattung von Unternehmen sowie Maßnahmen auf europäischer Ebene insb. hinsichtlich der Bankenaufsicht. Neben diesem Maßnahmenpaket ist die zeitweise Aussetzung der Insolvenzantragspflicht geplant.

    Konsequentes Risikomanagement durchführen

    Die geplanten Maßnahmen erfordern eine zeitweise Veränderung der Regularien zur Kreditvergabe in Krisensituationen, um möglichst viele Unternehmen in kurzer Zeit zu erreichen. Nichts desto trotz, werden Mindestanforderungen zur Kreditvergabe veröffentlicht werden, die die Unternehmen mit der Beantragung erfüllen müssen. Um die Steuerung des Unternehmens bei diesen vielfältigen Aufgaben gewährleisten zu können, empfiehlt sich die CFO-Checkliste.

    CFO-Checkliste

    I. Allgemeines Risikomanagement

    Zunächst sollte eine funktions- bzw. abteilungsübergreifende Task-Force bestehend aus Geschäftsführung, kaufmännischer Leitung, Produktionsleitung, Einkaufsleitung und Vertriebsleitung sowie sonstigen relevanten Bereichen gebildet werden. Es sollte mindestens ein Jour-fix pro Woche als fester Regeltermin vorgesehen werden. Die Task-Force dient als Leitungs- und Koordinierungsstelle im Wesentlichen für die beiden folgenden Punkte:

    Leitung des unternehmensweiten Krisen- und Risikomanagements, d.h. Identifizierung, Bewertung und Management der bestandsgefährdenden Risiken für das Unternehmen
    Steuerung der Kommunikation intern wie extern (bspw. Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter, Banken und Warenkreditversicherer, Aufsichtsbehörden und sonstige Stakeholder des Unternehmens

    II. Risikomanagement der Lieferketten (Lieferanten und Kunden)

    Identifizierung von Störungen bzw. Unterbrechungen der Lieferketten in der Beschaffung:

    Kommunikation mit den Lieferanten
    Identifizierung von gefährdeten Zulieferern
    Ermittlung von kritischen Teilen
    Prüfung von Lagerbeständen
    Ermittlung der Störungsart (bspw. Herstellung von Zukaufteilen vs. Logistik)
    Ermittlung alternativer Transportwege bzw. -mittel, Ermittlung von alternativen Bezugsquellen
    Ermittlung von Substitutionsprodukten (bspw. auf Umarbeitung von vorhandenem Lagerbestand)
    Prüfung der vertraglichen Vereinbarung mit den Lieferanten, um Rechte und Pflichten zu ermitteln und die Folgen einer Vertragsverletzung bewerten und managen zu können

    III. Finanzierung

    Abbildung aller bekannten Risiken in einer kurzfristigen Liquiditätsplanung
    Sicherstellung des Liquiditätsbedarfs, ggf. unter Nutzung der staatlichen Förderprogramme
    Analyse der staatlichen Förder- und Hilfsprogramme
    Abbildung der prognostizierten Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die kurz- und mittelfristige Ertragsplanung
    Prüfung und Überwachung von Verpflichtungen aus bestehenden Finanzierungsverträgen
    Beachtung von ad-hoc-Mitteilungspflichten
    Prüfung der Einhaltung von bestehenden Verpflichtungen und Garantien
    Prüfung der Einhaltung der Financial Covenants und Ermittlung von Maßnahmen, um Covenants-Brüche zu vermeiden
    Kommunikation mit den Eigen- und Fremdkapitalgebern

    IV. Restrukturierung

    Überwachung der Insolvenzantragspflichten zur Vermeidung von Haftungsansprüchen gegenüber den Geschäftsführern und Vorständen
    Monitoring der ggf. zeitweise veränderten gesetzlichen Grundlagen
    Prüfung eines möglichen operativen Restrukturierungsbedarfs aufgrund einer möglicherweise andauernden Wirtschaftskrise
    Erstellung von Szenariorechnungen zur Ermittlung des benötigten Kapitalbedarfs
    Prüfung von Sanierungsoptionen, die über die Liquiditätshilfen des Staates hinaus gehen (außergerichtliche Sanierung vs. Eigenverwaltungs-/Insolvenzverfahren).

    Autor: Wolfram Lenzen, Falkensteg, Tel. +49 211 54 76 63 18 oder E-Mail: wolfram.lenzen@falkensteg.com

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